Gardiner – aus stinkreicher Familie in den USA stammend – kam über einige Umwege angezogen vom Roten Wien in diese Stadt, in der sie sich auch infolge ihrer eigenen Therapie für Freud begeisterte und später selbst Psychoanalytikerin wurde.
Doch noch mehr begeisterte sie sich für die Sache der Arbeiter*innenklasse. So kam es dann, dass sie sich nach dem miterlebten Februar 1934 dem Widerstand gegen den Austrofaschismus anschloss und in diesem Buttinger kennen- und lieben lernte, der später zum Führer der Revolutionären Sozialisten (RS) wurde.Diese arbeiteten zwar mit Otto Bauer, den er wegen seiner Nachgiebigkeit gegenüber dem Reformismus scharf kritisierte, und der AVOES zusammen. Allerdings lassen Buttingers Aussagen und auch sein spätere Analyse der Entwicklung der SPÖ an dem von dieser verbreiteten Märchen zweifeln, dass es sich bei den RS nur um den illegalen Flügel der vormaligen SDAPÖ gehandelt habe und nicht um zwei unterschiedliche Parteien. Zu unterschiedlich waren politische Theorie, Analyse und Praxis. Wenn dem nicht so gewesen wäre, hätte es schließlich keine Wiedervereinigung und anfangs nach 1945 den Doppelnamen „Sozialdemokraten und Revolutionäre Sozialisten“ gebraucht.
Beide engagierten sich unter erheblichen persönlichen Gefahren im Kampf gegen das Dollfuß-Regime und halfen auch dank Gardiners finanzieller Möglichkeiten vielen bei der Flucht, bis es auch für sie zu gefährlich wurde. Schließlich ließen sie sich in Gardiners Heimat nieder, wo sie sowohl weiterhin in der Fluchtarbeit als auch bei der Unterstützung von ins Exil gezwungenen aktiv blieben.
Sie sollten sich für ihr restliches Leben nicht mehr trennen. Gardiner arbeitet als Ärztin, Psychotherapeutin und Sozialarbeiterin, während Buttinger sich zum Experten für Ostasien, insbesondere Vietnam, entwickelte und nebenbei eine riesige Bibliothek aufbaute, die er noch vor seinem Tod an österreichische Universitäten spendete. In die Heimat zurückkehren wollte er, insbes. auch frustriert vom Kurs der SPÖ, der er ein Versagen gegenüber dem Faschismus attestierte, nach 1945 nicht mehr. In Anbetracht dieser scharfen Kritik verwundert es kaum, dass er - als einer der letzten tatsächlichen Sozialdemokraten - in der offiziellen Parteigeschichte mehr oder weniger nicht vorkommt.
Zwei beeindruckende Menschen – ein beeindruckender Ausstellungskatalog, der in der Kombination aus Text und Bild einen wunderbaren Eindruck in das Leben dieser beiden Vorbilder für Solidarität, Mut und politischem Bewusstsein gibt. Prädikat: Pflichtlektüre.

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